Vorwort

Der gewaltsame Tod von George Floyd und die Demonstrationen der internationalen Black Lives Matter Bewegung haben auch uns dazu veranlasst, uns selbst noch einmal tiefgehend mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen. Um zu erkennen, wie wenig fundiertes Wissen wir wirklich haben und zu verstehen, was es heißt weiß zu sein und wie wichtig es ist, selbst aktiv zu werden, „Ally” zu werden. 

Folgende Fragen haben uns als Eltern in der Auseinandersetzung der letzten Monate ganz besonders beschäftigt: Wie erklären wir unseren Kindern Rassismus? Wann und wie fangen wir damit an? Können wir sie gezielt dabei begleiten von Anfang an „Little Allies” zu werden?

Die Antirassismus-Trainerin Anja Schütze hat uns auf unserer selbstkritischen Auseinandersetzung begleitet und uns zum Einstieg in 

das Thema „Kinder und Rassismus” einen Leitfaden aus dem Amerikanischen empfohlen, der uns nicht mehr losgelassen hat. Wir haben ihn als so hilfreich empfunden, dass wir die Idee hatten ihn für Deutschland zu adaptieren. Wir haben ihn übersetzt, inhaltlich angepasst und mit Beispielen und vielen Quellen aus Deutschland angereichert. Und die Illustratorin Le Hong @woherkommstduwirklich hat den Leitfaden so passend neu illustriert.

Der folgende Leitfaden ist der erste in einer Reihe für Eltern, die wir nach und nach gemeinsam mit Expert*innen und Illustrator*innen erweitern möchten. Wir stehen mit Familiar Faces für Vielfalt  und gute Illustrationen. Und auch wir stehen erst am Anfang. Lasst uns gemeinsam weiter wachsen!

Der gewaltsame Tod von George Floyd und die Demonstrationen der internationalen Black Lives Matter Bewegung haben auch uns dazu veranlasst, uns selbst noch einmal tiefgehend mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen. Um zu erkennen, wie wenig fundiertes Wissen wir wirklich haben und zu verstehen, was es heißt weiß zu sein und wie wichtig es ist, selbst aktiv zu werden, „Ally” zu werden. 

Folgende Fragen haben uns als Eltern in der Auseinandersetzung der letzten Monate ganz besonders beschäftigt: Wie erklären wir unseren Kindern Rassismus? Wann und wie fangen wir damit an? Können wir sie gezielt dabei begleiten von Anfang an „Little Allies” zu werden?

Die Antirassismus-Trainerin Anja Schütze hat uns auf unserer selbstkritischen Auseinandersetzung begleitet und uns zum Einstieg in das Thema „Kinder und Rassismus” einen Leitfaden aus dem Amerikanischen empfohlen, der uns nicht mehr losgelassen hat. Wir haben ihn als so hilfreich empfunden, dass wir die Idee hatten ihn für Deutschland zu adaptieren. Wir haben ihn übersetzt, inhaltlich angepasst und mit Beispielen und vielen Quellen aus Deutschland angereichert. Und die Illustratorin Le Hong @woherkommstduwirklich hat den Leitfaden so passend neu illustriert.

Der folgende Leitfaden ist der erste in einer Reihe für Eltern, die wir nach und nach gemeinsam mit Expert*innen und Illustrator*innen erweitern möchten. Wir stehen mit Familiar Faces für Vielfalt  und gute Illustrationen. Und auch wir stehen erst am Anfang. Lasst uns gemeinsam weiter wachsen!

Wie erkläre ich Kindern Rassismus?

Unabhängig davon, ob du weiß, Schwarz [1], People of Color [2] mit oder ohne Zuwanderungsgeschichte bist, ist es wichtig, schon früh mit deinen Kindern über Rassismus zu sprechen und dieses Gespräch fortzusetzen, während deine Kinder groß werden. Indem du deine weißen Kinder von Anfang an über Rassismus aufklärst, kannst du dazu beitragen, dass sie selbst nicht rassistisch handeln und sich einsetzen, wenn sie Rassismus wahrnehmenFür Eltern mit Schwarzen Kindern/Children of Color ist es wichtig, die Identität der eigenen Kinder zu stärken und sie auf die Konfrontation mit Rassismus vorzubereiten.

Der Gedanke an ein Gespräch über Rassismus mit Kindern mag zunächst abschreckend wirken, aber wenn du gut informiert bist und sensibel auf den Entwicklungsstand deines Kindes eingehst, kannst du dieses herausfordernde Thema sehr gut vermitteln. Denk immer daran, wie wichtig es für dein Kind ist, die Welt um sich herum zu verstehen und auch auf schwierige Situationen vorbereitet zu sein. Außerdem trägst du mit der aktiven Auseinandersetzung dazu bei, die Gesellschaft ein Stück gerechter zu machen und gegen Rassismus vorzugehen.

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1 Die Selbstbezeichnung „Schwarze Menschen“ macht darauf aufmerksam, dass „Schwarz“ und „weiß“ keine biologischen Tatsachen sind, sondern Gesellschaftskonstrukte. Zur Hervorhebung dessen wird „Schwarz“ großgeschrieben und „weiß“ kursiv gesetzt. Mehr zum Thema unter „Der Braune Mob“.

2 People of Color (POC) ist eine selbstbestimmte Bezeichnung von und für Menschen, die nicht weiß sind. Das Konzept „People of Color“ setzt erstmals voraus, dass Menschen, die nicht weiß sind, über einen gemeinsamen Erfahrungshorizont in einer mehrheitlich weißen  Gesellschaft verfügen. Mehr zum Thema unter „Der Braune Mob“.
Aktuell tritt auch der Begriff BIPOC (Abkürzung für Black, Indigenous, People of Color) in in den (sozialen) Medien immer häufiger auf. Warum der Begriff verstärkt verwendet wird, könnt ihr hier auf Englisch in der New York Times nachlesen „Where Did BIPOC Come From? “

1. Verstehe Rassismus als System

1.1. Mach dich mit der Bedeutung von Rassismus vertraut

Am Anfang des Rassismus steht die Einteilung der Menschheit in unterschiedliche „Rassen“. Weiße Wissenschaftler (u.a. Robert Koch, Hermann von Wissmann) teilten im 18. und 19. Jahrhundert nach Kriterien wie Hautfarbe, Schädelform und Haarfarbe die Menschen in „Rassen“ ein und schrieben ihnen Verhaltensweisen zu. Immanuel Kant schrieb Ende des 18. Jahrhunderts in seiner Vorlesung „Physische Geografie“: „Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben I… haben schon ein geringeres Talent. Die N… sind weit tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.“ [3] Diese Einteilung, in der sich weiße Menschen an die Spitze der Hierarchie setzten und die anderen „Rassen“ abwerteten und entmenschlichten, diente der Legitimation von Ausbeutung und Brutalität im Kolonialismus. Auch wenn die genetisch-biologische Einteilung von Menschen in „Rassen“ längst widerlegt wurde, so ist Rassismus noch immer gesellschaftlich tief verankert und alltäglich spürbar.  

Da das Wort „Rasse“ in Deutschland seit dem Ende der NS-Zeit sehr verpönt war und ist, wurde und wird es häufig durch das Wort Kultur ersetzt und Menschen werden aufgrund ihrer zugeschriebenen kulturellen Zugehörigkeit abgewertet. Dieses Phänomen hat Theodor W. Adorno schon im Jahr 1975 benannt: „Das vornehme Wort Kultur tritt anstelle des verpönten Ausdrucks Rasse, bleibt aber ein bloßes Deckbild für den brutalen Herrschaftsanspruch“. [4]

Das Wort „Rassismus“ hingegen entstand in den 1920er-Jahren als antirassistischer Kampfbegriff. Rassismus ist noch immer ein System, in dem weiße Menschen privilegiert (bevorteilt) sind und Schwarze Menschen/People of Color diskriminiert (benachteiligt) werden. Rassismus findet auf mehreren Ebenen statt. Auf individueller Ebene geht es beispielsweise um rassistische Witze, Worte und Bemerkungen, aber auch entgegengebrachte Antipathien oder gewalttätige Übergriffe. Rassismus auf struktureller Ebene betrifft die ungleichen Chancen auf Arbeits- und Wohnungsmarkt, in Schule und Kita, sowie die Art und Weise, wie Menschen durch Polizei oder Behörden behandelt werden. Rassismus auf soziokultureller Ebene bedeutet: Wer wird gehört und wer ist sichtbar? Welche Personen sind wie vielfältig oder wie stereotyp in z.B. Film, Fernsehen und Schulbuch dargestellt? 

Setz dich intensiv damit auseinander, warum es Weißen v.a. auch in Deutschland so schwer fällt, Rassismus richtig zu benennen und einzuordnen und warum hierfür bisher kein kollektiv geteiltes Wissen aufgebaut wurde. Hierzu lies oder höre: Das Buch/Hörbuch „Exit Racism“ von Tupoka Ogette und/oder das Buch/Hörbuch „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“ von Alice Hasters.

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3 Wir verwenden bewusst nicht das I- und das N-Wort, um diese rassistischen Fremdzuschreibungen nicht zu wiederholen. 

4 Theodor W. Adorno: Schuld und Abwehr. Gesammelte Schriften Band 9/2. Frankfurt a. M. 1975.

weiterführende Informationsquellen

„Exit Racism“ von Tupoka Ogette @tupoka.o (auch als Hörbuch)
Ergänzend zum Buch/Hörbuch findet ihr auf der Website weiterführende Materialien v.a. auch mehrere aufschlussreiche YouTube-Filme.

„Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“ von Alice Hasters @alice_haruko (auch als Hörbuch)

„White Fragility“ aus dem Amerikanischen von Robin DiAngelo @robindiangelo

Sarah Farina und Kerstin Meißner haben auf transmissionnet.org
ein Dokument mit Ressourcen und Links zum Thema „Rassismuskritisch Denken und Handeln lernen“ zusammengestellt.

Viele Fragen, die Schwarze fast täglich Weißen beantworten müssen, könnt ihr selbst recherchieren. Ihr findet Antworten z.B. auf der Webseite RosaMag, der Plattform für Schwarze Frauen. @rosa_mag 

Der Blog Mit Vergnügen Berlin hat eine übersichtliche Seite mit TED-Talks, Instagram Accounts etc. zum Thema Rassismus aufbereitet. Hier findet ihr auch einen Podcast mit der Diplom-Pädagogin Katia Saalfrank @katiasaalfrank zum Thema „Wie spreche ich mit Kindern über Rassismus?“. 

Auf Edition F findet ihr Accounts von Schwarzen Frauen, denen ihr auf Instagram folgen solltet, um euren Feed bewusst zu diversifizieren.
Auch Tarik Tesfu @tesfu_tarik, Kübra Gümüşay @kuebrag oder Esra Karakaya @ms_blackrock lohnt es sich auf Instagram zu folgen.

In dem Instagram Account der Bundeszentrale für politische Bildung @saymyname_bpb findet ihr aktuelle Begriffe zum Thema Rassismus, die jeder kennen sollte, schnell und prägnant erklärt z.B.
Was heißt „Colorism“? Woher kommt der Begriff „People of Color“? und Was ist mit „Critical Whiteness“ gemeint?

1.2. Verstehe die Vorurteile

Vorurteile beziehen sich auf ein „vorgefertigtes Urteil oder eine vorgefertigte Meinung, die oft auf begrenzten Informationen beruht.“ [5]  

Vorurteilsbehaftete Überzeugungen können bewusst sein. Sie können sich auf Vorstellungen beziehen, über die sich Menschen bewusst sind und über die sie offen sprechen.

Vorurteile können auch unbewusst sein. Oft wissen Menschen nicht, dass sie voreingenommen sind.

Alle Menschen sind in gewissen Bereichen voreingenommen. Das ist unvermeidlich, da wir alle einen begrenzten Erfahrungsschatz haben und unsere Vorstellungen auf begrenzten Informationen beruhen.

Es haben also alle Menschen Vorurteile und es ist wichtig sich das einzugestehen. Noch wichtiger ist es, diese regelmäßig zu hinterfragen, und vor allem auch durch Fakten zu widerlegen. Nur so lassen sich Vorurteile, die dazu beitragen Rassismen aufrechtzuerhalten, erkennen und verlernen.

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5 Siehe: „Talking about Race, Learning about Racism: The Application of Racial Identity Development Theory in the Classroom”

1.3. Freunde dich damit an, über Rassismus nachzudenken, deine eigene Position zu finden und darüber zu sprechen

Es ist immer gut, sich mit anderen Erwachsenen über Rassismus auszutauschen und dabei die eigene Haltung zu reflektieren, bevor man mit Kindern spricht. [6] Beachte dabei, dass Schwarze oder People of Color nicht dazu da sind, deinen Lernprozess zu begleiten, sie haben genug mit dem Aushalten von Rassismus zu tun. ABER höre zu, wenn dir von ihnen etwas mitgeteilt wird und beziehe die Perspektiven und Erfahrungen in deinen eigenen Lernprozess ein.

Es mag nicht einfach sein über Rassismus zu sprechen. Aber offen und ehrlich zu sein, ist der beste Weg, um Rassismus zu bekämpfen.

Wenn du als Weiße*r [7] mit Schwarzen/People of Color darüber sprichst, sei ehrlich bezüglich deiner Gefühle, achte ihre Gefühle und versuche, nicht verteidigend, nicht abwehrend oder relativierend auf ihre Erfahrungen und ihre Haltung zu reagieren. 

Eine Möglichkeit der Selbstreflexion über die eigene Verwobenheit im System Rassismus ist auch, über die eigenen Assoziationen zu schreiben. Oder schreibe über einige deiner frühesten Erinnerungen im Zusammenhang mit Rassismus. Schreibe auf, was passiert ist, wie es sich angefühlt hat und ob es jemals die Gelegenheit gab, über diese Ereignisse zu sprechen. [8]

Du bist weiß? Werde dir bewusst, was es heißt privilegiert zu sein. Setze dich mit “Critical Whiteness” auseinander. Und frage dich ehrlich: Wann hast du verstanden, dass du weiß bist?

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6 Siehe: „Talking about Race, Learning about Racism: The Application of
Racial Identity Development Theory in the Classroom”

7 Wir verwenden den Genderstern, um an der sprachlichen Gleichbehandlung der Geschlechter teilzuhaben und mit dem Stern auch all jene sichtbar zu machen, die sich jenseits der binären Geschlechterordnung von Frau und Mann definieren. 

8 Siehe: „Do Conversations About Race Belong in the Classroom?“

1.4. Führe das Gespräch über Rassismus mit deinen Kindern fort

In der Entwicklung deiner Kinder werden Erfahrungen mit Rassismus – ob aktiv oder passiv – eine Rolle spielen. Und wenn sie älter werden, sind sie für eine tiefgreifendere Auseinandersetzung bereit. Strukturellen Rassismus wirst du in seiner Komplexität natürlich nicht in einem einzigen Gespräch erfassen und behandeln können, vielmehr sollte sich dieses Gespräch fortsetzen und weiterentwickeln, so wie deine Kinder auch. Wie du altersgerecht mit deinen Kindern über Rassismus sprichst, erfährst du Schritt für Schritt in den nachfolgenden Kapiteln.

Wissenschaftler*innen [8] haben die Entwicklungsstadien erforscht, die Kinder durchlaufen, wenn sie ihre eigene Identität entwickeln, gerade auch in Hinblick darauf, ob sie Schwarz, Children of Color oder weiß sind. Diese Stadien beeinflussen das Denken von Kindern über Rassismus und können die Art und Weise, wie sie auf verschiedene Themen reagieren, beeinflussen. Mehr über diese Entwicklungsstadien erfahrt ihr hier, allerdings steht diese Seite nur auf Englisch zur Verfügung.

 

2. Gib (deinen) Kindern von klein auf eine Basis

2.1. Sprich mit deinen Kindern bewusst über Unterschiede

Beschreibe Unterschiede in physischen Merkmalen auf positive und konkrete Weise. Kleinkinder und Kinder im Vorschulalter (zwischen zwei und fünf Jahren) können die komplizierte Natur des Rassismus nicht vollständig erfassen, aber sie sind neugierig auf alle neuen Dinge und Verschiedenheiten. Erkläre ihnen, dass unterschiedliche Merkmale – wie Haut- und Haarfarben oder auch Gesichtszüge – alle gleichwertig sind und Vielfalt etwas Positives ist.

Versuche nicht, über Unterschiede hinwegzugehen. Kleine Kinder sind von Natur aus neugierig. Es ist besser, ihnen dabei zu helfen Unterschiede zu verstehen, sie angemessen benennen zu können und zu schätzen, als sie zu ignorieren. [9] Wenn du mit deinen Kindern über Unterschiede sprichst, mutmaße nicht über die Herkunft von Menschen und versuche nicht darüber physische Merkmale zu erklären.

Bringe deinen Kindern bei, Dinge konkret zu benennen. Wenn sie eine Frage dazu haben, warum die Haare einer Person anders aussehen, kannst du antworten: „Ja, das Haar ist sehr lockig. Diese Frisur nennt man Afro.“ 
Wenn dein Kind dich darauf hinweist, dass eine Frau ein Kopftuch trägt: „Ja, einige muslimische Frauen bedecken ihre Haare und ihre Schultern mit einem Kopftuch, das nennt man Hijab. Sie zeigen damit, dass sie an Gott bzw. Allah glauben.“

Auch das Betonen von Gemeinsamkeiten bzw. darauf zu schauen, was Kinder verbindet, ist wichtig: z.B. gemeinsame Lieblingsspielzeuge, Lieblingsessen oder auch Hobbies gezielt zu benennen gibt allen Kindern eine gemeinsame Basis auf die sie aufbauen können. 

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9 Siehe: „Even Babies Discriminate: A NatureShock Exzerpt.“

2.2. Stelle Bücher, Spielzeuge oder Kindersendungen zur Verfügung, die Schwarze, People of Color und weiße Menschen zeigen

 

Verwende vielfältiges Spielzeug, Bücher usw. als Lehrmittel. Da kleine Kinder sehr konkret denken, sprich mit ihnen darüber, was „gleich und verschieden“ ist. Ermutige deine Kinder dazu, Fragen zu stellen und vermittle ihnen, dass Vielfalt positiv ist. [10]

Verwende Puppen (z.B. Lottie-Puppen) oder auch Duplo Figuren (z.B. Figuren-Set: Leute aus aller Welt, Leute & Berufe), um über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu sprechen: „Diese Puppe hat mandelförmige Augen, braune Haut und schwarze Haare. Und diese Puppe hat ebenfalls mandelförmige Augen, aber ihre Haut ist beige und die Haare sind rot. Es gibt viele verschiedene Haut- und Haarfarben.“

Auch Buntstifte mit vielen Hautfarben gehören ins Kinderzimmer und sorgen dafür, dass vielfältige Hautfarben als selbstverständlich von Kindern wahrgenommen werden. Im deutschsprachigen Raum wurde und wird häufig das Wort hautfarben benutzt, wenn eigentlich irgendetwas wie Schweinchenrosa oder weiße Menschen gemeint sind.  Wenn beispielsweise Strumpfhosen, Buntstifte oder Kosmetik so ausgewiesen sind,  wird bewusst oder unbewusst das Bild vom Weißsein als Norm gefestigt. Verwende deshalb stets die einzelnen Farben, wenn du über Hautfarben sprichst, wie z.B. beige, rosa, rosé, hellbraun, braun, schwarz. Benutze niemals Essensvergleiche wie »Schokolade«, »Kaffee«, »Brownie« oder andere ähnliche Wörter, um die Hautfarbe einer Schwarzen Person oder einer Person of Color zu beschreiben. Diese Essensvergleiche sind rassistisch und diskriminierend und historisch oft mit dem Kolonialismus/Sklavenhandel verknüpft. 
Auch Begriffe wie »farbig« oder »dunkelhäutig« sollte man nicht verwenden, um Schwarze oder People of Color zu beschreiben. Beide Begriffe stammen ebenfalls aus der Zeit des Kolonialismus und wurden von den Weißen für die Beschreibung von Schwarzen / People of Color erfunden.  

Vielfältiges Spielzeug, Bastelmaterialien, Kinderbücher und Sendungen sind großartig und wichtig für die Entwicklung aller Kinder. In der Entwicklung der eigenen Identität ist es für Kinder essentiell, dass sie sich in Darstellungen und Spielzeugen wiederfinden. So dass sich Schwarze, Children of Color und weiße Kinder in unterschiedlichsten und starken Rollen kennenlernen, um sich selbst vorstellen zu können, vieles werden zu können: von Bäcker*in über Ärzt*in bis Kanzler*in. Derzeit werden in Deutschland vor allem weiße Kinder in den Spielmitteln repräsentiert und damit zementiert sich die Norm von Weißsein, auch wenn die Realität der Bevölkerung divers ist und immer war. Es ist nicht einfach vielfältige Spielmaterialien in Kitas und Geschäften zu finden, in denen sich auch nicht weiße Kinder wiederfinden können und an denen weiße Kinder von Anfang an lernen, dass Menschen mit vielfältigen Hintergründen und Hautfarben selbstverständlich sind.

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10 Siehe: „How to talk to kids about racism: An age-by-age guide“

Tipps für Vielfalt im Spielzimmer, Bücherregal und für Screen Time

Vielfältiges Spielzeug findet ihr bei Tebalou, dem Online-Shop der Berliner Gründerinnen Tebbie Niminde-Dundadengar und Olaolu Fajembola: tebalou.shop

Schöne Bastelbögen zum Ausdrucken für eine rassismuskritische Erziehung findet ihr auch im Etsy-Shop von WanderWonderStudio

Diverse Bilderbücher sind z.B. 

„Zusammen“ von Daniela Kulot,  „Ich mag“ und „Ich bin anders als du“ von Constanze von Kitzing, „Nelly und die Berlinchen“ von Karin Beese und Mathilde Rousseau, die drei Bände von „Kalle und Elsa“ von Jenny Weston Verona und Jesús Verona, „Ich bin Yola. Wer bist du?“ von Janine Eck, „Odo“ von Dayan Koda und Robby Krüger, „Julian ist eine Meerjungfrau” von Jessica Love, „100 Kinder“ von Christoph Drösser, „Alle haben einen Po“ von Anna Fizke, die Reihe „Little People. Big Dreams mit den Biografien von z.B. „Rosa Parks“, „Maya Angelou“, „Ella Fitzgerald”, „Harriet Tubman“ oder „Muhammad Ali“ und die Vorlesereihe „Eine Klasse für sich“.

Alle diese Bücher findest du auch mit Inhaltsangabe auf unseren Pinterest-Boards.

Und auch hier findet ihr noch mehr Buchtipps, um das eigene Buchregal von Anfang an bewusst zu diversifizieren:

http://www.i-paed-berlin.de
https://kimi-siegel.de
https://buuu.ch
https://www.thisisjanewayne.com
https://editionf.com
@afrokids_germany (auch mit Netflix-Tipps)
@vielfalt_im_kinderzimmer
@vonkleinaufvielfalt

Kindersendungen mit Schwarzen Hauptcharakteren sind z.B. die kreative Vorschulserie „Kiva kann’s“, „Magie in Motown“ oder die Filme „Kiriku und die wilden Tiere“ oder „Kiriku und die Zauberin“.
Und auch die Doku-Reihe Berlin und wir“ (ab ca. 8 Jahren) auf KiKa, die vier geflüchtete und vier deutsche Jugendliche zusammenbringt, um sich kennenzulernen, ist empfehlenswert zum gemeinsamen Anschauen.

Der in 2020 mit einem Oscar preisgekrönte Kurzfilm Hair Love (auf Englisch, aber auch ohne Englischkenntnisse zu verstehen) von Matthew A. Cherry hat das Ziel, Schwarze Kinder zu ermutigen ihre Haare zu lieben, wie sie sind. (ab ca. 5 Jahre – 99 Jahre)

Sorah von tofufamily.de hat in ihrem Beitrag „Wie wir rassismuskritische Kinder erziehen“ auch eine umfangreiche Liste an vielfältigen Serien, Filmen und Büchern für Kinder zusammengestellt. http://www.tofufamily.de

2.3. Sprich über die Geschichte und Herkunft deiner eigenen Familie

Wenn deine Kinder Schwarz/ Children of Color sind, ist es wichtig, mit ihnen darüber zu reden und darüber nachzudenken, was das für sie bedeutet. Dafür können z.B. Schwarze Vorbilder bzw. Vorbilder of Color herangezogen werden, um den Kindern beizubringen, dass sie stolz auf sich sein können. Gib ihnen Beispiele für die Besonderheit und die Bedeutung ihrer Herkunft. [11]

Bringe deinen Kindern bei, Dinge zu benennen. Die Fähigkeit, etwa ihre Herkunft zu benennen, hilft ihnen zu verstehen, dass man sich dafür nicht schämen muss. Zum Beispiel: „Mama kommt aus Japan und Papa aus Südafrika, und du trägst von beiden etwas in dir.“

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11 Siehe: „What Is Anti-Bias Education?“

2.4. Such dir ein vielfältiges Umfeld

Der beste Weg, ein positives Bewusstsein für unterschiedliche Herkünfte und Toleranz zu entwickeln, ist die Auseinandersetzung mit Unterschieden und das Vorleben von Vielfalt. Such dir integrative Spielgruppen, Kitas, Sportvereine und versuche, deine Kinder in ein Umfeld zu bringen, dass Diversität vorlebt. [12]

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12 Siehe: „How to talk to kids about racism: An age-by-age guide“

2.5. Hör gut zu, um Fragen zu beantworten und Missverständnisse auszuräumen

Kleinkinder und Kinder im Vorschulalter haben in der Regel keine Filter. Sie sagen alles, was ihnen durch den Kopf geht. Deshalb solltest du nicht beunruhigt sein, wenn sie Dinge sagen, die dir beleidigend erscheinen. Nutze die Gelegenheiten, um Dinge klarzustellen und Vielfalt positiv darzustellen. [13]

Sollte dein Kind etwas sagen wie: „Mama, warum ist die Frau braun?“, erklär ihm einfach, dass es viele verschiedene Hautfarben gibt. Das ist es, was die Welt vielfältig und interessant macht.

Wenn dein weißes Kind etwa fragt: „Warum ist die Haut dieser Person schmutzig?“, erkläre ihm, dass die Person nicht schmutzig ist, sondern dass es ganz unterschiedliche Hautfarben gibt und diese Person eine dunklere Hautfarbe hat. So wie jeder Mensch eine andere Haarfarbe und Augenfarbe hat, eine andere Gesichtsform und Körpergröße, so gibt es auch unterschiedliche Hautfarben.

Wenn dein Kind über eine Muslima mit Kopftuch fragt: „Papa, ist das eine Hexe?“, erklär ihm entschieden, das diese Frau keine Hexe ist. Die Frau trägt ein Kopftuch als Symbol dafür, dass sie an Gott bzw. Allah glaubt. Allah heißt Gott im Islam. Auf der Welt gibt es viele verschiedene Religionen und einige Menschen zeigen ihren Glauben an eine Religion durch Symbole, wie z.B. ein Kopftuch oder auch ein Kreuz an einer Halskette.

Wenn du Elternteil eines Child of Color bist und dein Kind etwas sagt wie: „Ich möchte weiße /helle Haut haben“, versuche zu verstehen, warum es sich so fühlt. Frag es, warum es das sagt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine oder mehrere Rassismuserfahrungen dahinterstecken. Wenn du die Ursache seiner Gefühle verstehst, kannst du gemeinsam mit deinem Kind die Erfahrungen aufarbeiten, dein Kind in seinem Selbstwertgefühl bewusst stärken und deinem Kind vermitteln, dass es genauso wie es ist perfekt ist und schwarze/braune Haut wunderschön ist. Es ist wichtig, offen mit deinem Kind über Rassismuserfahrungen zu sprechen und es auf die Konfrontation mit Rassismus vorzubereiten. [14]

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13 Siehe: „How to talk to kids about racism: An age-by-age guide“

14 Siehe: „How to Get Started with Anti-bias Education in Your Classroom and Program“

2.6. Bring deine Ablehnung von Rassismus klar zum Ausdruck 

Kleine Kinder können Rassismus in all seinen Nuancen noch nicht ganz begreifen, aber sie nehmen die Worte und Taten ihrer Eltern ganz genau wahr. Verwende daher eine einfache, direkte Sprache, wenn du auf Rassismus stößt, und erkläre deinem Kind, was du dabei fühlst und dass es falsch ist. [15]

Wenn du ein rassistisches Bild siehst, sag deinem Kind: „Dieses Bild gefällt mir nicht. Ich fühle mich dabei unwohl.“ Formuliere etwas Positives über die Menschengruppe, die hier negativ dargestellt wird. 

Setz dich gegen Rassismus zur Wehr indem du Menschen darauf hinweist, wenn sie rassistische Bemerkungen machen. So kannst du entgegnen: „Das ist keine angemessene Bemerkung und das stimmt so nicht. Bitte sprich vor mir oder meinen Kindern nicht in dieser Weise.“

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15 Siehe: „A resource for talking about race with young children“

3. Wie du Rassismus mit Kindern im Grundschulalter besprichst

3.1. Sprich über Fairness, damit deine Kinder Rassismus verstehen

Kinder im Schulalter haben ein ausgeprägtes Bewusstsein dafür, wann sich etwas fair oder unfair anfühlt. Beschreibe Rassismus als ein im Wesentlichen ungerechtes System, das einer Gruppe hilft, aufgrund ihrer Herkunft Macht über andere zu haben. [16]

Spielerische Aktionen können dazu beitragen Ungleichheiten aufzuzeigen. Verteile eine Belohnung (z.B. Bonbons oder Sticker) in einer Gruppe von Kindern. Gib einigen Kindern mehr als anderen. Frag diejenigen, die weniger haben, wie sich das anfühlt. Und frag auch diejenigen, die mehr haben, wie sich das anfühlt. Vermutlich werden auch sie sagen, dass es ungerecht ist.

Erkläre ihnen, dass dieses ungerechte Gefühl der Bevorteilung Privileg genannt wird. Versuche ihnen nahezubringen, dass es wichtig ist, sich der Gefühle bewusst zu sein, die der Rassismus bei den Menschen auslöst. Und dass es wichtig ist, zusammenzuarbeiten, um die Welt fairer zu gestalten.

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16 Siehe: „How to talk to kids about racism: An age-by-age guide“

Materialien, die Rassismus für Grundschulkinder erklären

Ein Film der Bundeszentrale für politische Bildung 
Kurz erklärt: Rassismus, was ist das?

ZDF tivi
logo! erklärt: Was bedeutet Rassismus?

Leider bisher nur auf Englisch erhältlich:
A Kids book about Racism – von Jelani Memory. Ein starkes, grafisches Buch, dass man sich auch als E-Book runterladen kann und das sich beim Lesen leicht für die Kinder übersetzen lässt.

3.2. Vermittle die Geschichte des Rassismus

Suche Materialien über die Geschichte des Rassismus. Besuche eine örtliche Bibliothek, um altersgerechte Quellen zu finden oder suche online nach Texten und Übungen.
Leider gibt es im deutschsprachigen Raum noch nicht so viele Materialien für das Grundschulalter, aber es kommen laufend neue hinzu. Es lohnt sich also, immer mal wieder danach zu suchen…

Tipps für Informationsquellen

Bundeszentrale politische Bildung
Film: Die Entstehung des Rassismus

BAOBAB – Bildungsstelle in Österreich
Youtube-Channel mit Kurzfilm-Tipps zu u.a. Rassismus/Vorurteile und Kolonialismus

Instagram
@erklärmirmal – Emilene Wopana Mudimu @black_is_excellence erklärt Rassismus und Kolonialismus im IGTV und noch mehr zum Thema findet ihr im Feed

Buch (ab 10 – 100 Jahre)
„Das Buch vom Antirassismus: 20 Lektionen über Rassismus und was wir alle dagegen tun können.“ von Tiffany Jewell und Aurélia Durand.

3.3. Mache deutlich, wie der historische Rassismus die Gegenwart weiterhin beeinflusst

Erkläre deinen Kindern, dass viele Menschen aufgrund von rassistischen Strukturen weniger haben als andere. Sie haben möglicherweise weniger Mittel in der Schule oder keinen Zugang zu ausreichend gesunden Lebensmitteln, keinen Zugang zu guten Schulen oder können keine Sportvereine/Musikschulen besuchen.

Mit dem „Spinnennetz-Spiel“ kannst du Kindern helfen zu verstehen, wie Rassismus aus der Vergangenheit weiterhin die Gegenwart beeinflusst. Gib den Kindern je ein Wollknäul und lass sie damit herumlaufen und Fäden spinnen, sodass ein verworrenes Netz entsteht. Bitte sie anschließend, das Netz zu entwirren. So können sie sehen, wie schwer es sein kann, komplizierte Probleme zu lösen.

3.4. Vermeide das Thema Rassismus nicht

Egal, ob es sich um eine Nachrichtensendung oder eine alltägliche Erfahrung handelt, sprich mit deinen Kindern über die Beziehung von Rassismus und Fairness. Warte nicht darauf, dass deine Kinder dir Fragen stellen. Es ist deine Aufgabe als Elternteil, das Gespräch über Rassismus fortzusetzen. [17]

Sprich mit deinen Kindern über altersgerechte Nachrichten.

Stell ihnen Fragen, die sie zum Nachdenken anregen, wie zum Beispiel: „Ist dir schon einmal aufgefallen, dass es im Fernsehen fast keine Schwarze*n Darsteller*innen gibt? Was glaubst du, woran das liegen könnte?“

Oder: „Ist dir schon einmal aufgefallen, dass es bei euch an der Schule viele Schüler*innen, aber keine Lehrer*innen mit türkischer oder kurdischer Zuwanderungsgeschichte gibt? Was glaubst du, woran das liegen könnte?“

Wenn es in einem Buch oder im Fernsehen rassistische Inhalte gibt, nimm dir die Zeit und besprich diese mit deinen Kindern. [18]

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17 Siehe:„Talking About Racism With White Kids“

18 Siehe: „Teaching Tolerance“

Tipps für Vielfalt im Bücherregal in der Grundschule

„Stories about Kids who Dare to be Different“ von Ben Brooks und Quinton Winter, „Wie siehst du denn aus?“ von Sonja Eismann und Amelie Person, „Die Comic-Reihe „Akissi“ von Marguerite Abouet und Mathieu Sapin, „Der Bus von Rosa Parks“ von Fabrizio Silei & Maurizio Quarello, „Hexen hexen: Der Comic“ von Roald Dahl & Pénélope Bagieu, „Einfach Yeshi“ von Gabriela Kasperski, „Atlas der Meerjungfrauen“ von Anna Claybourne & Miren Asiain Lora und „Die Anleitung zur Selbstliebe. Liebe deinen Körper“ von Jessica Sanders

Alle diese Bücher findest du auch mit Inhaltsangabe auf unseren Pinterest-Boards.

4. Wie du mit Teenagern und Pre-Teens über Rassismus sprichst

4.1. Erkläre deinen Kindern strukturelle Unterdrückung

In der Regel sind Kinder im Alter von etwa zwölf Jahren in der Lage, komplexere Themen im Zusammenhang mit sozialer Ungerechtigkeit zu verstehen. An diesem Punkt kannst du sie mit der Historie rassistischer Unterdrückung und Diskriminierung in Berührung bringen. [19]

Erkläre deinen Kindern, dass rassistische Unterdrückung zu weiterer rassistischer Unterdrückung führt, die sich immer weiter fortführt.

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19 Siehe: „Teaching your kids not to see race is a terrible idea, studies have found“

Tipps für Informationsquellen

Weiterführende Materialien empfohlen von Tupoka Ogette @tupoka_o  auf exit.racism.de

Geschichte des Rassismus Teil 1: Das Geschäft mit der Sklaverei

Geschichte des Rassismus Teil 2: Die fatalen Folgen

Geschichte des Rassismus Teil 3: Das Vermächtnis der Kolonialherren

Buch (ab 10 – 100 Jahre)
„Das Buch vom Antirassismus: 20 Lektionen über Rassismus und was wir alle dagegen tun können.“ von Tiffany Jewell und Aurélia Durand.

Instagram und YouTube

@erklärmirmal – Emilene Wopana Mudimu @black_is_excellence erklärt Rassismus und Kolonialismus im IGTV und noch mehr zum Thema findet ihr im Feed.

„Say My Name“ ist der Titel einer im Auftrag der bpb produzierten Webvideo-Reihe von der Kooperative Berlin. Das Format richtet sich an junge Frauen zwischen 14 und 25 Jahren und setzt sich für wichtige gesellschaftliche Werte wie Vielfalt, Respekt, Emanzipation, Gleichheit sowie Solidarität ein. 
@saymyname_bpd
Und hier findest du die Videos von saymyname auf Youtube

BAOBAB – Bildungsstelle in Österreich
Youtube-Channel mit Kurzfilm-Tipps zu u.a. Rassismus/Vorurteile und Kolonialismus

 

4.2. Gib zeitgenössische Beispiele von Rassismus

Wenn deine Kinder älter sind, kannst du auf den Dingen aufbauen, die du ihnen schon beigebracht hast und gleichzeitig ein breiteres Themenspektrum ansprechen. Zeig ihnen, dass diese Themen wichtig sind, indem du dir die Zeit nimmst, ihre Fragen ausführlich zu beantworten. Sollte dein Kind nicht mit Fragen zu dir kommen, bring einfach Themen aus den Nachrichten oder aus deinem eigenen Leben zur Sprache, um das Gespräch fortzusetzen.

Sprich mit deinen Kindern über Rassismus und Rechtsextremismus in Deutschland: über die NSU-Morde, über Pegida, über Halle 2019, über Hanau 2020 und über NSU 2.0…

Sprich mit deinen Kindern über Muslimfeindlichkeit und modernen Antisemitismus .

Sprich mit deinen Kindern über konkrete Fälle von rassistisch motivierter Polizeigewalt, damit sie verstehen, wogegen protestiert wird. [20] Erkläre ihnen den Hintergrund der internationalen Black Lives Matter Bewegung und geht z.B. gemeinsam auf eine Demonstration.

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20 Siehe: „7 Fantastic Tips from Youth on How to Teach and Talk About Racism“

4.3. Lernt gemeinsam, komplexe Themen zu erforschen

Du solltest niemals das Gefühl haben, alle Antworten parat haben zu müssen. Wenn etwas passiert, dass du nicht vollständig verstehst, sprich offen darüber und bitte deine Kinder um Hilfe bei der Recherche zum Thema, so könnt ihr gemeinsam mehr über zeitgenössische Fragestellungen des Rassismus lernen. [21]

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21 Siehe: „7 Fantastic Tips from Youth on How to Teach and Talk About Racism“

Tipps für Jugendbücher, Videos, Filme, Serien und mehr

Teile Bücher und Texte mit deinen Kindern, die sich mit Rassismus befassen, wie zum Beispiel:
„The Hate U Give“ von Angie Thomas, „Dear Martin“ von Nick Stone, „Patina. Was ich liebe und was ich hasse“ von Jason Reynolds und „Wie du mich siehst“ von Tahereh Mafi sind z.B. großartige Bücher zum gemeinsamen Lesen.

Alle diese Bücher findest du auch mit Inhaltsangabe auf unseren Pinterest-Boards.

Schicke ihnen Online-Materialien wie Videos, seht sie euch gemeinsam an und sprecht anschließend darüber. Auf den Webseiten der Bundeszentrale für politische Bildung und dem  Migrationspolitischen Portal der Heinrich Böll Stiftung findest du eine Reihe hervorragender Artikel und weiterführende Informationen zu aktuellen Ereignissen.

Schaut euch gemeinsam die Web-Talkshows „Karakaya Talk“  oder „BlackRockTalk“ der Moderatorin Esra Karakaya @ms_blackrock an: „Gastgeberin Esra spricht in Karakaya Talk mit ihren Gäst*innen über alles zwischen Pop, Politik und was euch juckt. Dazu gibt es verdammt viel Çay.“

Oder auch die Webvideos der Datteltäter: „Wir sind das Satire-Kalifat im Herzen der YouTubeSzene“ @datteltaeter

Auch das gemeinsame Ansehen von Filmen oder Fernsehsendungen kann ein Gespräch in Gang setzen. „Black-ish” und „Fresh Off the Boat“ sind eine gute Wahl für Familien.

Für Jugendliche ab 16 Jahren eignen sich z.B. die Serien Dear White People“ von Giancarlo Esposito,  „When they see us“ von Ava DuVernay und der Dokumentarfilm „Der 13.“ ebenfalls von Ava DuVernay.

Ermutige deine Kinder auch ihren Instagram-Account oder TikTok-Account zu diversifizieren. Recherchiert vielleicht gemeinsam, welchen Accounts man folgen könnte.

4.4. Erkläre Jugendlichen die Funktion von Mikroaggressionen

Mikroaggressionen sind alltägliche verbale oder nonverbale Beleidigungen, die oft nicht als Beleidigungen gedacht sind und schwer zu bemerken sein können. Mikroaggressionen resultieren für gewöhnlich aus versteckten Vorurteilen, von denen die Menschen oft nicht einmal wissen, dass sie sie haben. [22]

Einige Mikroaggressionen können sogar als Komplimente gemeint sein, wie z.B., wenn jemand zu einer deutschen Person asiatischer Herkunft sagt: „Du sprichst ja richtig gut Deutsch.“ oder zu einer deutschen Person mit türkischer Zuwanderungsgeschichte: „Du kannst bestimmt den besten Döner machen.“

Eine nonverbale Mikroaggression könnte sein, dass jemand die eigene Handtasche fest umklammert, wenn sie*er einen Aufzug mit einer Person of Color betritt.

Es gibt einen Test, den sogenannten „Impliziten Assoziationstest“ der Harvard University, der dabei hilft, die eigenen Vorurteile aufzudecken. Hier kannst du den Test (auf Englisch) machen und die Ergebnisse anschließend mit deinen Kindern besprechen. Ein aufschlussreicher Artikel über den Test ist in DIE ZEIT Nr. 30/2020, 16. Juli 2020 „Wie rassistisch sind Sie?“ von Bastian Berbner erschienen (leider nur für ZEIT-Abonnenten aufrufbar).

Denke immer daran, dass jeder Mensch Vorurteile hat und dass unser Ziel sein sollte, sie aufzudecken und darüber zu sprechen, anstatt zu versuchen, sie zu vertuschen oder sich vor ihnen zu verstecken.

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22 Siehe: „Wie werden wir Vorurteile los? Direkt darauf zugehen!“

Texte, Videos und ein Instagram-Account für die Erläuterung von Mikroagressionen

Im Respect-Guid, einem Leitfaden für ein respektvolles Miteinander der Initiative für intersektionale Pädagogik (i-PÄD), gibt es u.a. auch ein Kapitel zu Rassismus, in dem Menschen erzählen, was sie nicht mehr hören bzw. erleben wollen und warum.

Tupoka Ogette @tupoka.o empfiehlt das folgende YouTube-Video von Fusion Comedy (auf Englisch), um Mikroagression zu verstehen:
„How Microagressions are like Mosquito Bites?“

Das YouTube-Video What kind of Asian are you? (auf Englisch) von Ken Tanaka parodiert Mikroagressionen gegen Asiaten.

In ihrem TED Talk „What does my headscarf mean to you?(auf Englisch) von Yassmin Abdel-Magied werden Vorurteile und damit verbundene Mikroaggressionen ggü. Muslimas deutlich.

Dominik Lucha hat nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd Freund*innen ganz gezielt nach ihren Rassismuserfahrungen gefragt. Weil sich so viele meldeten, startete er den Instagram-Account „Was ihr nicht seht“, um diese unsichtbaren, aber alltäglichen Rassismuserfahrungen/ Mikroagressionen sichtbar zu machen.

4.5. Ermutige dein Kind dazu, sich zu verbünden

Bringe deinen Kindern bei, für das Richtige einzustehen. Lass sie wissen, dass sie sich für andere Menschen einsetzen sollten, wenn sie auf rassistische Weise behandelt werden. [23]

Erkläre ihnen, dass es das Verhalten anzufechten gilt, nicht die Person. Niemand sollte als Rassist*in oder anderweitig beschimpft werden. Bringe deinen Kindern bei zu sagen: „Das ist eine rassistische Bemerkung. Bitte sag sowas nicht.“ 

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23 Siehe: „Coping with Racism & Discrimination“

5. Hilf (deinen) Kindern, auf rassistische Handlungen zu reagieren

5.1. Erkenne die Anzeichen, wenn dein Kind mit Rassismus in Berührung gekommen ist

Es kann sein, dass deine Kinder es nicht erkennen oder nicht erzählen, wenn sie Opfer von Rassismus geworden sind. Lerne einige Warnsignale kennen, die darauf hinweisen können, dass deine Kinder eine schlechte Erfahrung gemacht haben. Wenn du das Problem erkennst, kannst du besser damit umgehen. [24]

Achte auf Verhaltensänderungen wie: 

– Die Verweigerung des Schulbesuchs

– Angst vor dem Schulweg

– Der Wunsch, eine andere Herkunft oder Hautfarbe zu haben

– Anzeichen von Angst, die sich in körperlichen Symptomen wie Magen- oder Kopfschmerzen manifestieren können.

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24 Siehe: „Six Ways to Help Your Child Cope with Racism – Part 2“

5.2. Hilf deinen Kindern Rassismus zu begegnen, der gegen sie gerichtet ist

Bringe deinen Kindern den Gebrauch von Wörtern wie „Stopp“ bei, um dem Verhalten ein Ende zu setzen. Übe mit ihnen zu sagen: „Stopp, rede nicht so mit mir.“ Erkläre ihnen auch, dass sie sich Hilfe bei Erwachsenen holen können. [25]

Finde eine Person (wenn möglich eine Schwarze Person oder Person of Color), die im entsprechenden Umfeld als Ansprechpartner*in für deine Kinder dienen kann. 

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25 Siehe: „Tips for parents, staff: How to deal with racism in school“

5.3. Stärke die familiären und freundschaftlichen Bindungen zum Aufbau von Widerstandsfähigkeit

Eine der besten Möglichkeiten, das Selbstvertrauen deiner Kinder zu stärken und eine positive und starke Identität zu fördern, besteht darin, ihnen ein Gefühl von Unterstützung und Zusammenhalt zu geben. Macht gemeinsame Aktivitäten als Familie. Melde deine Kinder für Sport, Tanz oder Kunstunterricht an. Und verbringt Zeit mit positiven Vorbildern aus eurem Umfeld. 

Versuche, eine Gruppe zu finden, die die ethnische Herkunft deines Kindes stärkt. Wenn du z.B. ein Kind von den Philippinen adoptiert hast, suche die Verbindung zu anderen philippinischen Kindern. Höre philippinische Musik oder bereite regionale Gerichte zu. 

 

 

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Hinweis: Der Leitfaden ist als Denkanstoß und lebendes Dokument zu verstehen. Er hat das Ziel die eigene Auseinandersetzung als Individuum und v.a. als Eltern mit Rassismus anzuregen und zu unterstützen. Er hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir freuen uns über Tipps, Anregungen und Fragen. E-Mail: hey@familiarfaces.de

Quelle des Leitfadens: “How to Explain Racism to a Child” auf wikihow.com 
Co-authored by:
Takiema Bunche-Smith

Übersetzung:  Lisa Schmidt

Illusstrationen: Le Hong @woherkommstduwirklich

Inhaltlich angepasst und erweitert für den deutschsprachigen Raum:
Familiar Faces @familiarfaces.de

Inhaltlich begleitet von: Anja Schütze, Kontakt: anja.schuetze@googlemail.com

Danke an Eileen Ndayisaba, Aileen Puhlmann, Lea Hillerzeder, Annett Kuhlmann und Stella Flatten für die Unterstützung, das Feedback und die offenen Worte.

Wir informieren dich gern, wenn unser Leitfaden als Download oder als Buch erscheint.